Für eine Std.-Fahrzeugsvariante (also nicht Performance orientierte EV) ist die LFP-Batterie der aktuellen Generation schon ein Fortschritt. Zum einen ist die Zahl der Ladezyklen bei LFP gegenüber NCM in ungefähr doppelt so hoch und man kann bis 100% laden (wegen der BMS-Kalibrierung so empfohlen) und auch so stehen lassen. Ein netter Nebeneffekt ist halt auch der Vorteil der erhöhten Feuerfestigkeit der Zellen. Für Langzeithalter ist das sicherlich eine gute Entwicklung und das wird sich irgendwann auch bei den Gebrauchtmarktpreisen in der Zukunft
LFP hat aber auch einige Nachteile gegenüber NMC.
Auch ist es eine urbane Legende, dass es einem LFP-Akku weniger ausmachen würde bis 100% zu laden und dann stehen zu lassen: Das macht beiden Varianten in etwa gleich viel aus (Ausdehnung Elektrolyt, Zellendruck).
Zyklisch in gewissen Abständen bis zu 100% zu laden (Cellbalancing durch das BMS) ist bei einer Reihenschaltung von Akkuzellen immer notwendig, damit keine Zelle der Reihenschaltung vorzeitig altert (erhöhter Innenwiderstand), was dann die anderen Zellen der Reihenschaltung dann nicht richtig laden und entladen lassen würde - egal ob LFP oder NMC.
Dass Renault den Ladehub für die Ladezeit erst ab 15% SoC angibt ist ebenfalls dem LFP-Akku geschuldet: Darunter kann man LFP-Akkus nur überproportional langsamer Laden bzw. Entladen als bei NMC-Akkus.
Somit ist auch die Leistungsabgabe unterhalb von 15% SoC überproportional geringer.
Das gleiche gilt für Kälte: Geringere Leistungsabgabe beim Start mit kaltem Akku (bei Minusgraden sogar erheblich) und längere Vorkonditionierungszeiten (mit entsprechend höherem Energieaufwand, noch überproportional erhöht durch die größere Masse bedingt durch die geringere Energiedichte bei LFP).
Je kälter desto „schlimmer“.
Auch die Anzahl an Ladezyklen haben im Elektroauto nicht eine so hohe Relevanz, da die Traktionsbatterie physisch nie bis zu 100% vollgeladen wird (sondern nur bis zum vordefinierten Maximum der Nettoangabe).
Tests vom Frauenhoferinstitut (und auch anderen) von ca. 5 Jahre alten Batterien mit Laufleistungen ab 500.000km des ID.3/ ID.4 und Tesla Model 3 (alles NMC) haben gezeigt, dass hier der SoH noch um 84% lag.
Die Testgruppen waren zweigeteilt: Schnell per DC geladen und langsam per AC geladen: die Differenz des SoC der beiden Gruppen lag unter 2% - also praktisch nicht relevant.
In Summe der Eigenschaften ist für mich ein fertigungstechnisch „billiger“, voluminöserer und schwererer LFP-Akku im Elektroauto absolut nicht wünschenswert.